Die Geschichte und originäre Kultur des Ryûkyû-Königreichs
Vom 15. bis 19. Jahrhundert stand Okinawa unter der Herrschaft des Ryûkyû-Königreichs. Die Weltkulturerbestätten der Insel stehen in enger Verbindung mit der Gründung des Königreichs und der daraus hervorgegangen einzigartigen Kultur. Die Hauptstadt des Königreichs befand sich in Shuri (dem heutigen Naha) und das sogenannte Shuri-Schloss war der Palast der königlichen Familie. Die damaligen Herrscher setzten auf den Handel zur See, der sich auf ganz Japan erstreckte und seinen Weg von China und Korea bis weit nach Malakka in Malaysia nahm. Nach der Blütezeit im 15. Jahrhundert kam Okinawa de facto unter japanische Herrschaft und im 19. Jahrhundert gliederte man es offiziell an Japan an.
Während der Ära des Ryûkyû-Königreichs gab es ununterbrochen lebhaften kulturellen Austausch mit Japan und China. Aufgrund vieler Handelsbeziehungen kamen zudem südliche Einflüsse dazu und so entwickelte sich eine ganz eigene Kultur. Traditionelle Tänze wie „Eisa“ oder Stoffmuster der alten Ryûkyû-Kultur in der Bekleidung gehören auch heute noch ganz selbstverständlich zum Alltag Okinawas.
Das Schloss Shuri – Zentrum der Politik, Diplomatie und Kultur
Das Weltkulturerbe, das Schloss Shuri, diente zur Zeit des Königreichs als Palast der Königsfamilie. Gleichzeitig fungierte es als Regierungsgebäude und Ort religiöser Zeremonien. Zudem war das Schloss Shuri und seine Umgebung das kulturelle Zentrum, in dem sich Künstler und Meister des Kunsthandwerks versammelten und Musik- und Theateraufführungen blühten.
Im Inneren des Schlosses kann man Baustile und Farbgebung beobachten, die eindeutig vom Einfluss Japans und Chinas geprägt sind: Tore, gesäumt von den sogenannten Shisa-Löwen, die zum Schutz des Schlosses und der Grabstätten vor bösen Geistern aufgestellt wurden. Heute sieht man sie auch auf Dächern oder am Eingangsbereich vieler Häuser auf Okinawa. Die meisten Bauwerke sind 1945 im Zuge des 2. Weltkrieges niedergebrannt, aber Teile wie das repräsentativste Tor – das Shureimon – und das Hauptgebäude des Schlosses wurden 1992 restauriert.
In der Umgebung der Burg befinden sich noch 3 weitere Weltkulturerbestätten. Das „Sonohyan-Utaki-Steintor“ war Ort des Gebets um Sicherheit und Frieden, wenn der Herrscher einmal nicht im Hause war. Es hat zwar die Form eines Tores, doch hindurchgehen kann man nicht. Außerhalb der Schlossmauern ist weiterhin das „Tamaudun“ erhalten, welches zu damaliger Zeit der Königsfamilie als Grabstätte diente.
Zwei Kilometer gen Süden vom Shuri-Schloss stößt man auf den „Shikina-Park“. Um 1800 errichtet, war dies die königliche Ferienresidenz und wurde auch als Gästehaus genutzt, in dem Gesandte des Kaisers von China empfangen und bewirtet wurden.
„Die Gusuku“ – Relikte zahlreicher Legenden
Den Zeitraum vom 12. bis 14. Jahrhundert nennt man in Okinawa die Gusuku-Ära, in der einflussreiche Familien um die Herrschaft im Lande konkurrierten. Gusuku bedeutet in der Landessprache „Burg”, aber man glaubt nicht dass das ein rein militärischer Stützpunkt war. Vielmehr gibt es die Thesen, dass es sich hier um heilige Orte des ursprünglichen Glaubens oder um die Gründung kleiner Siedlungen handelte, die zu ihrer Abgrenzung Steinmauern benutzten. Vier solcher Gusuku auf Okinawa sind als Weltkulturerbestätten der UNESCO registriert.
Im Westen der Hauptinsel Okinawas liegt die „Nakijinjô-Burgruine“, auf deren Hinterseite sich eine heilige Stätte befindet und die als das “Göttliche Schloss” bezeichnet wird. Die „Zakimijô-Ruinen“ befinden sich in exponierter Lage auf einem Hügel an der Westküste. Besonders eindrucksvoll sind hier die Torbögen aus Korallenstein.
Im Osten der Hauptinsel liegt „Katsurenjô“ – unter den Weltkulturerbestätten der Gusuku das älteste Baudenkmal dieser Bauweise. Die „Nakagusukujô-Ruinen“ wiederum bilden unter den noch bestehenden Ruinen den Baustil der Gusuku wohl am deutlichsten ab. An der Architektur der Burgmauern und Rundbögen kann man sehr genau erkennen, auf welch hohem technologischen Niveau man sich zu damaliger Zeit bereits bewegte.
„Utaki“ - Geheiligte Orte, nicht wegzudenken aus dem Leben der Menschen auf Okinawa
Seit alters her gibt es auf Okinawa eine ganz eigene Religion – den Glauben an „Nirai Kanai“. Man sagt, „Nirai Kanai“ ist ein Ort, der in weiter Ferne jenseits des östlichen Meeres liegt und die ideale Welt verkörpert. Die Legende erzählt, dass einmal im Jahr Götter der „Nirai Kanai“ den Menschen erscheinen und ihnen Glück und Fruchtbarkeit bringen. Auch soll der Geist des Menschen von „Nirai Kanai“ abstammen, und die Seelen der Verstorbenen wieder nach „Nirai Kanai“ zurückkehren. Diese geheimnisvollen Orte, die von Göttern besucht und an denen die Vorfahren verehrt werden, nennt man „Utaki”. Auch heute sind sie für die gläubigen Bewohner Okinawas fester Bestandteil des Alltags.
Ein ganz besonderer dieser Plätze, welcher auch als UNESCO Weltkulturerbe registriert wurde, ist „Sêfa-Utaki“. „Sêfa“ bedeutet „höchster Rang“ und ist somit buchstäblich der allerwichtigste heilige Ort Okinawas. Früher war es nur auserwählten Personen erlaubt, diesen Ort zu betreten, heute kann jeder „Sêfa-Utaki“ besuchen. Atmen Sie tief die Luft des in Mystik gehüllten Waldes ein und Sie werden sich in alte Zeiten zurückversetzt fühlen.
<Informationen>
JNTO Okinawa (Englisch)
Archäologische Stätten (Gusuku) des Königreichs der Ryukyu-Inseln (Englisch)
Schloss Shuri (Englisch)
Kudakajima – Der heiligste Ort Okinawas
Die Frauen auf Okinawa sind eng verbunden mit den Göttern, und die Tradition, den Ehemann und die Familie zu beschützen, lebt ungebrochen fort. Im Ryûkyû-Königreich des 15. Jahrhunderts entwickelte sich um die höchste shintoistische Priesterin, Ôkimi Kikoe, ein Netzwerk von Shinto-Priesterinnen namens „Noro“, das sich auf der gesamten Insel ausbreitete. Noro-Anhängerinnen trafen sich zu verschiedenen religiösen Feiern und Festen an heiligen Orten, die in Verbindung mit den Göttern standen– die sogenannten „Utaki”. Unter den vielen heiligen Plätzen der Utaki ist „Sêfa-Utaki“ der wichtigste. Den Ort, den man von Sêfa-Utaki aus, das tief im Wald gelegen war, anbetete, war Kudakajima – die Insel Kudaka, die sich nur verschwommen in östlicher Richtung auf dem Meeresspiegel zeigte.
Die Insel Kudaka ist die Stelle, an der die Gott Amamikiyo erschien und an der sie der Legende nach Okinawa erschaffen haben soll. Mit einem Umfang von 8 km ist diese kleine Insel bestehend aus Korallenbänken eine Leihgabe der Götter an uns Menschen. Die gesamte Insel ist ein heiliger Ort. An der nördlichen Spitze der Insel, am Kap Kabêru soll Amamikiyo Okinawa geschaffen haben. Zusammen mit der heiligen Stätte „Fubô-Utaki“ in der Mitte der Insel, wo es auch bis heute keiner Menschenseele erlaubt ist, den Boden zu betreten, sind dies Orte Okinawas mit besonderer Energie. Auf der Insel Kudaka, die der Urbarmachung und Kultivierung entkommen ist, mit ihrer unberührten Natur und zauberhaften Meeresstränden, steht die Zeit still.
Anreise: 1 Stunde Busfahrt vom Naha Busterminal zum Hafen Azama, von dort aus 1 h mit der Fähre oder 20 Minuten mit dem Schnellboot (6 Fahrten pro Tag)
Kudaka Fähren (Japanisch)
Übernachtungsmöglichkeiten:
Herberge Kudakajima, TEL: 0081 (0) 98-835-8919 und 3 weitere Pensionen