Okinawas Bühnenkunst: Ryûkyû-Tradition trifft auf den Westen
Auf dem städtischen Makishi-Markt, „der Küche Nahas“:
Junge Männer spielen vor den Souvenirgeschäften am Eingang des Markts auf der Shamisen (dreisaitige Gitarre). Gleich nebenan singen die Marktfrauen, die dort ihre Läden betreiben, die Volkslieder Okinawas, die„Shima uta“ leise mit. Auch in dieser sehr alltäglichen Szene Okinawas findet man noch heute die Wurzeln traditioneller Musik. Und in Okinawa-Stadt, früher hieß die Stadt einmal Koza, gibt es unzählige Musikkneipen. Da viele Amerikaner schon lange Zeit in Okinawa-Stadt leben, ist es wohl das Fleckchen Japan, das am stärksten durch Amerika geprägt ist. Aus dieser speziellen Atmosphäre sind eine Vielzahl von Musikern und Künstlern aus Okinawa hervorgegangen, die in ganz Japan populär sind. Den Hintergrund dazu jedoch bildet die Geschichte der traditionellen Bühnenkunst seit der Ryûkyû-Periode und eine Musikbewegung, die sich in Okinawa ganz eigenständig entwickelt hat.
Okinawas traditionelle Bühnenkunst

Innerhalb der traditionellen Bühnenkunst Okinawas hat sich zum einen die sogenannte „Volkskunst“ unter dem einfachen Volk in den Dörfern und zum anderen die "Hofkunst", die sich um den kaiserlichen Hof der Ryûkyû-Dynastie entwickelt hat, verbreitet. Die Volkskunst rührt ursprünglich von den Zeremonien her, bei denen man die Götter zunächst um reiche Ernte anbetete und sich später für die Gaben der Natur bedankte. Dabei wurden Lieder und Tänze eingebaut. Zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert wurde das Saiteninstrument Shamisen aus China überliefert und daraus etablierte sich eine ganz eigenständige Volkskunst in Okinawa.
Die Bühnenkunst des kaiserlichen Hofes begann wiederum aufgrund des diplomatischen Austauschs des Ryûkyû-Königreichs mit Japan, China und anderen Ländern Südostasiens. Besonders um diplomatische Delegationen aus China (Sappôshi) zu empfangen, wurde eigens ein Experte für das Bühnenspiel am Hofe (Udori bujô) engagiert. Die Unterhaltung durch Künstler spielte zu damaliger Zeit also eine ganz wichtige Rolle, um freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Ryûkyû-Königreich und seinen Nachbarstaaten aufzubauen.
Schöne Tänze und Musicals à la Okinawa

Zwei der bedeutendsten Bestandteile der Bühnenkunst Okinawas sind die „Ryûkyû-Tänze“ und der „Kumi-Odori“. Die Ryûkyû-Tänze stammen aus der höfischen Bühnenkunst, bei denen die Tänzer die für Okinawa typischen farbig leuchtenden Kleider, die sogenannten „Bingata“, und prachtvollen Schmuck trugen, sodass man sich beim heutigen Anblick der Tänze das damalige Leben am Hofe sehr gut vorstellen kann. Der Kumi-Odori ist eine Art Bühnenstück, welches aus Theaterspiel, Gesang und Tanz besteht. Es geht auf den Einfluss des traditionellen Theaters wie zum Beispiel Nô, Kyôgen oder Kabuki zurück, welches aus anderen Teilen Japans nach Okinawa überliefert wurde. Im Nationaltheater Okinawa kann man Aufführungen beider Tänze (Ryûkyû-Tanz und Kumi-Odori) besuchen.
Ein Muss in Okinawa: die Shamisen

Die Shamisen ist das bekannteste Instrument Okinawas, welches weder in der Bühnenkunst noch bei den Volksliedern, die von Generation zu Generation überliefert wurden, fehlen darf. In letzter Zeit wird die Shamisen auch bei Rock- oder Popmusik eingesetzt. Dass sich Volkslieder, bei denen zur Shamisen gesungen wurde, verbreiteten, geht auf den für Okinawa typischen Brauch des „Mô ashibî“ zurück. Mô ashibî war eine Art Open-Air-Party, zu der sich junge Leute abends auf Wiesen oder am Strand versammelten, um Musik zu hören und zu tanzen. Heutzutage finden diese Partys nicht mehr statt, doch diese Kultur des geselligen Miteinanders hat die heutige Musik Okinawas in besonderem Maß geprägt. Die Shamisen wird in vielen Musik- und Souvenirgeschäften in Naha verkauft und erfreut sich als Mitbringsel großer Beliebtheit.
Rockmusik made in Okinawa

Okinawa stand einst unter der Herrschaft der Vereinigten Staaten. Aufgrund dessen hat sich hier eine Kultur entwickelt, die sich vom restlichen Japan unterscheidet. Der sogenannte „Okinawa Rock“ - ein ganz eigener Stil der Rockmusik - verkörpert dies recht gut. Junge Leute, durch amerikanische Musikkultur beeinflusst, haben in den 60er Jahren angefangen, „richtige“ Rockbands zu gründen und in Kneipen aufzutreten. Zentrum des Okinawa Rocks ist Okinawa-Stadt. Dort gibt es Musikkneipen en masse, wo sich jeden Abend Einheimische, in Okinawa ansässige Amerikaner und Touristen tummeln. Außerdem finden im „Music town Oto-ichiba“, einer Veranstaltungshalle in Okinawa-Stadt, Live-Konzerte, Tänze und Eisâ statt. 
Locations, an denen man die Volkslieder Okinawas sich anhören kann

In der Umgebung der Hauptstraße Nahas, der Kokusai-dôri, gibt es kleinere und größere Musikhallen, Musikkneipen und Geschäfte, in denen man die Volkslieder der Insel sich anhören kann. In der „Musikkneipe Shima uta“ tritt regelmäßig die Gruppe „Nênêzu“ auf, die in ganz Japan populär ist. Den Höhepunkt bildet immer das Ende des Konzerts: Beim „Kachashî“, ein traditioneller Tanz Okinawas, wird das gesamte Publikum mit in die Performance eingebunden und die Bühne gerockt! Zudem finden vielfältige Musikkonzerte und Events, unter anderem von in Okinawa ansässigen Künstlern, im „Sakura-zaka Theater“ statt, einer an ein Kino angegliederte Konzerthalle.
Kostenlose Live-Konzerte in der Musikkneipe Kozalives
Die Stadt der Musik, Okinawa-Stadt, bietet ein buntes Programm. Um nur zwei Höhepunkte zu nennen: „City Centre Explorer“ und „Livehouse Circuit“. Beides kostenlose Konzerte, das eine wochentags und das andere am Wochenende, bei denen man in den Genuss von erstklassigen Musikern der Insel kommt. Noch bis Ende März 2013.
JNTO – Okinawa Englisch
Kozalives (Japanisch)
Nationaltheater Okinawa (Englisch)
Music town Oto-ichiba (Japanisch)
Sakura-zaka Theater (Japanisch)
Musikkneipe Shima-uta (Japanisch)