Fuji

Anischten des Berges Fuji

"Da ungefähr müsste er sein", zeigen die Einheimischen, und der Blick schweift über unauffällige Hügelketten. Kein Fuji-san. Bis endlich, viel weiter oben in den Wolken, eine Lücke aufreißt und sich doch die abgeflachte Kraterspitze zeigt.

Der Fuji-san (富士山, d.h. der Berg Fuji) – auf Japanisch heißt er gar nicht Fujiyama – ist mit 3776 m nicht nur Japans höchster Berg, sondern auch der schönste freistehende Vulkankegel weltweit. Er ist UNESCO-Welterbe, Wahrzeichen Japans, Heiliger Berg und eigentlich sogar ein Gott. In der japanischen Kunst wurde der Fuji unzählige Male abgebildet, am berühmtesten in der Holzschnittserie "36 Ansichten des Berges Fuji" von Katsushika Hokusai, darunter die berühmte Welle, gegen die der große Berg fast unbedeutend klein wirkt. Kein Wunder, dass jeder Japanreisende ihn wenigstens einmal sehen möchte – vielleicht auch gerade deshalb, weil er sich bekanntlich oft in Dunst und Nebel versteckt.

Fuji-san von oben

Bei sehr klarem Wetter ist der Fuji-san auch von Tokyo aus zu sehen, öfters auch beim Anflug, bzw. Abflug nach und von Tokyo und manchmal auch vom Shinkansen-Fenster aus auf der Strecke Tokyo-Kyoto. Aber um die Wahrscheinlichkeit und Eindrücklichkeit einer Bergsichtung zu erhöhen, ist es ratsam, sich an einen der Orte zu begeben, die japanweit bekannt für ihren schönen Fuji-Blick sind: Eine Übernachtung dort führt noch einmal zu einer höheren Erfolgsquote, denn oft ist es morgens klarer. So wartet in Doris Dörries Film "Hanami" der Protagonist mehrere Tage auf das Erscheinen des Berges! Wer ganz sicher gehen möchte, kann den Fuji-san auch selbst besteigen, allerdings sieht man dann die wunderbare Kegelform natürlich nicht.

Tokyo mit Fuji

Eine besonders seltene und beeindruckende Ansicht des Fuji-san ist der sogenannte Diamant-Fuji (ダイヤモンド富士). (Hier ein Artikel aus dem Asienspiegel von 2016.) Davon spricht man, wenn die Sonne im Krater des Fuji-san auf- oder unterzugehen scheint – sichtbar ist dieses Phänomen nur von ein paar Dutzend Orten und jeweils nur zweimal im Jahr. Hier eine Übersichtskarte mit den genauen Daten, noch genauere Tipps für den Yamanakako hier.

Nachfolgend ein Überblick über besonders gute – und für Touristen praktikable – Orte für die Fuji-Sichtung und Tipps für die Besteigung.

Aussichtspunkte in Tokyo

Skytree: Mit Plattformen auf 350 und 450 m bietet der 634 m hohe Fernsehturm den besten Überblick, und der Fuji-san liegt, wenn man ihn sieht, hinter der Mega-Metropole. 8-22 Uhr, 2060 ¥ für die untere Plattform.

Tokyo Tower: Der alte Fernsehturm ist nur 333 m hoch, aber von den beiden Plattformen hat man natürlich auch einen guten Blick, manchmal bis zum Fuji. 9-23 Uhr, 900¥ für die untere Plattform

Tokyo Metropolitan Government Office: Das Präfekturrathaus bietet gleich zwei Aussichtsplattformen im 45. Stock der beiden Türme. Meistens 9.30-22.30, Eintritt frei.

Mori Building Tokyo City View: Rundumblick im 52. Stock in zentralerer Lage als die anderen Aussichtspunkte. Vom Skydeck (+500¥) kann man ohne Glasscheibe fotografieren. 10-23 Uhr, am Wochenende bis 01 Uhr, 1800 ¥ einschließlich Mori Art Museum.

Südlich des Fuji-san

Die pdf Hakone-Gegend (10.50 MB) ist von Tokyo aus bequem zu erreichen, berühmt für ihre heißen Quellen und guten Ryokan (traditionelle japanische Hotels), und der Fuji liegt praktisch direkt vor der Haustür. Bei klarem Wetter wirkt er geradezu unwirklich groß. Ein ideales Ausflugsziel also und an Wochenenden und Feiertagen entsprechend teuer. Für Touristen ist die Erschließung der Region mit verschiedenen Privatbahnen, Zahnradbahnen und Bussen ein bisschen unübersichtlich. Wer ein besonders gutes Foto des Berges machen will, sollte einen Abstecher zum Fuji Sky Walk Nahe der Stadt Mishima machen. Mit 400m Länge ist dies die längste Hängebrücke für Fußgänger überhuapt und man hat von hier einen wunderbaren Blick auf den Fuji und die Suruga Bay, die von vielen Fotografen gerne genutzt wird.

Hakone

Gute Orte für den Fuji-Blick sind der See Ashi-ko (von manchen Uferstellen muss man ein Stück auf den See hinausfahren), die dampfenden vulkanischen Quellen von Ôwakudani (aktuell wegen vulkanischer Aktivität gesperrt) und Fujimichaya am Otome-Pass zwischen Gotenba und Hakone.

Nördlich des Fuji-san

Auch von den Mittelgebirgen entlang der Chuo-Autobahn und Bahnlinie hat man von den Bergen aus einen guten Blick, aber das Hauptausflugsziel ist die Fuji-fünf-Seen-Gegend (Fuji Goko), etwa vom Yamanashiko oder vom Kawaguchiko aus. Der kleinere und besonders tiefe Motosuko bietet mit etwas Glück die Fuji-Ansicht, die auch auf dem 1000-Yen-Schein abgebildet ist. Zu den malerischsten Aussichtspunkten gehören außerdem der Oishi-Park auf der Nordseite des Kawaguchiko, die Chureito-Pagode bei Shimo-Yoshida und das Dorf Oshino-Hakkai mit Wasserrädern und klaren vulkanischen Teichen. Auf den Berg Tenjô, einen ziemlich nah am Fujisan gelegenen Aussichtspunkt, führt eine Seilbahn hinauf.

Fuji mit Kirschblüten

In der Gegend (besonders um Yoshida und den Kawaguchiko) finden sich zahlreiche Hotels, viele davon mit Onsen, sowie Vergnügungsparks, Museen und andere Optionen für Tage ohne Aussicht. Das Fuji Visitor Center wartet mit Informationen und einem Dokumentarfilm auf.

Besteigung

„Wer niemals den Fuji besteigt, ist ein Dummkopf, und wer zweimal hinaufgeht, noch mehr“ - lautet ein japanisches Sprichwort.

Seit der Edo-Zeit gilt die Besteigung des Heiligen Berges als Pflichtprogramm für jeden Japaner, allerdings ist die Wanderung an sich mit dem großen Höhenunterschied, Kälte, und eintönigem vulkanischem Geröll nicht unbedingt ein Genuss. In der klar abgegrenzten Wandersaison von Juli bis Anfang September ist die Besteigung auf gut befestigten Wegen geradezu institutionalisiert, und es gibt so viele Rastplätze und geöffnete Hütten, dass der Aufstieg auch für ältere oder ungeübte Wanderer möglich ist. Trotzdem sollte man Respekt vor der Höhe mitbringen und möglichst fit sein. Mehr zur Besteigungssaison. Vom Besteigen außerhalb der Saison wird abgeraten, da es wegen den unberechnbaren Wetterbedingungen risikoreich ist, den Berg zu erklimmen. Mehr Informationen zu Risiken.

Fuji-Besteigungen sind manchmal Teil geführter Japan-Rundtouren auch aus Deutschland (einen Überblick über angebotene Touren finden Sie auf unserer Seite Reiseveranstalter für Japanreisen), ansonsten gibt es in Japan zahlreiche Anbieter, die zweitägige Touren von Tokyo aus anbieten, auch mit englischsprachigen Bergführern. Verschiedene Anbieter haben dazu auch buchbare Online-Angebote, so zum Beispiel Club Tourism, Japanican, voyagin, veltra und die deutschsprachige Seite Japan Travel Centre. Auf Japan spezialisierte Reiseveranstalter helfen auch gerne die Fuji-Besteigung in Ihre Reise einzubauen.

Fuji-san Gipfel
© WESTWARDS

Wer sich ohne Gruppe auf den Weg machen will, muss sich zunächst für eine der vier Routen entscheiden, die jeweils in 10 Stationen von unten bis zum Gipfel eingeteilt sind. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Höhe und Wanderdauer, sondern kommen von verschiedenen Himmelsrichtungen. Wer also anschließend in Hakone ins Onsen möchte oder nach Kyoto weiterfährt, wählt eine südliche Route, für das Fuji-Fünf-Seen-Gebiet und die Weiterfahrt nach Matsumoto bietet sich die nördliche Yoshida-Route an.

Bis zu den jeweiligen fünften Stationen führen Straßen, und während der Saison fahren spezielle Wanderbusse, z. T. direkt von Tokyo, die in der Regel ab dem späten Vormittag dort ankommen. Die beliebtesten Routen sind die von der Fuji Subaru Line 5th Station (Yoshida-Route, auf 2300 m, von Kawaguchiko erreichbar) und der Fujinomiya 5th Station (2400 m, von Fuji aus erreichbar). Es ist üblich, am (späten) Nachmittag zu starten, vielleicht für einige Stunden in einer der Hütten zu ruhen, und dann gegen 3 Uhr weiterzuwandern, um den Sonnenaufgang vom Gipfel aus zu erleben. Natürlich ist die Besteigung aber auch tagsüber möglich, je nach Kondition in etwa 12 Stunden einschließlich Pausen und Kraterumrundung. Außerhalb der offiziellen Wandersaison gibt es Wanderbusse wenn überhaupt nur am Wochenende, und die die Hütten und Verkaufsstände schließen ein paar Wochen nach Saisonende, dafür ist man mit weniger Mitwanderern unterwegs.

Unbedingt notwendig für die Besteigung sind warme Kleidung für Minusgrade, Regen und Wind, eine (Stirn-)Lampe, ggf. Stöcke und gut eingelaufene feste, knöchelhohe Schuhe – der Rückweg führt z. T. durch Vulkanschutt sehr steil nach unten.

Mehr Informationen auf Englisch:

Fujisan Climb 
Japan Guide 
Westwards

Einige Anbieter von geführten Touren:
Fuji Mountain Guides
Willer Express
My Tokyo Guide

Erfahrungsbericht von einer geführten Wanderung, auf Deutsch: Fuji-Besteigung @ Wanderweib
The Complete Guide to Climbing Mount Fuji (Yoshida Trail)

Mehr Tipps zum Wandern bei uns:
Wandern und Pilgern
Osorezan - Der Eingang zur Unterwelt