Nagasaki – vielfältige Geschichte in Japans Süden

Oberhalb der Bucht von Nagasaki führen Spazierwege durch den Park von Glover Garden: Heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Nagasaki, war Glover Garden schon im 19. Jh. der bevorzugte Wohnsitz westlicher Händler und Industrieller. Ein Grüppchen japanischer Touristen, gekleidet in die englische Mode des 19. Jh., mit Rüschenkleid, Sonnenschirm und beigefarbenem Gehrock, formiert sich kichernd für ein Foto; im Hintergrund schweift der Blick über das Hafenbecken und die Stadt! Der geschützte natürliche Hafen ist der Grund, weshalb Nagasaki schon immer vor allem eins ist: international.

Blick auf Nagasaki vom Glover Garden Mansion

Nagasaki liegt etwas abseits der typischen Japanreiserouten, aber die Fahrt lohnt sich nicht nur wegen des wärmeren Klimas, sondern auch wegen der internationalen Geschichte. Schon im 16. Jh. wurde das Fischerdorf aufgrund der geschützten Lage zum Stützpunkt für portugiesische, später auch andere europäische Kaufleute, die von hier aus ihren Japanhandel organisierten und recht erfolgreich das Christentum verbreiteten. Auch chinesische Händler ließen sich in dem rasch wachsenden Ort nieder. Zen-Tempel im chinesischen Stil säumen heute noch die Hügel am Rand der Innenstadt, und die Restaurants und Läden der kleinen Chinatown garantieren authentisch chinesische Küche.

Das Multi-Kulti-Treiben fand Anfang des 17. Jahrhunderts zunächst ein jähes Ende, als zum Erhalt der inneren Sicherheit fast aller Kontakt mit dem Ausland abgebrochen wurde und Japan mehr oder weniger von der Welt abgeschnitten war. Die einzige Ausnahme blieb Nagasaki.

Übrigens: Der Blick vom sich 333m über den Meerespiegel erhebenden Berg Inasa-yama bietet einen perfekten Ausblick auf das Stadtzentrum und den Hafen von Nagasaki. Tatsächlich gilt der nächtliche Ausblick sogar als einer der drei schönsten "Night Views" in Japan. Man kann den Aussichtspunkt leicht mit dem Bus oder einer Seilbahn erreichen.

Von Nagasaki Station aus erreicht man mit dem regelmäßig verkehrenden "Nagasaki Bus" in etwa 8 Min. die Station Ropeway-mae, wo man in die Seilbahn umsteigt und dann ist man in etwa 10 Min. auf dem Gipfel.

Dejima – die holländische Insel

Direkt vor dem großen, altmodischen Holztor von Dejima hält heute die Straßenbahn – nur einige Dächer sind über die hohe Mauer zu sehen, die den ganzen Häuserblock umgibt. Im 17. Jahrhundert war Dejima noch eine kleine Insel in der Bucht von Nagasaki, auf der sich die Faktorei der Holländer befand: die einzigen westlichen Ausländer, die in Japan eine Handelsniederlassung unterhalten durften. Alle anderen, vor allem die missionierenden Portugiesen, waren ausgewiesen worden. Einmal im Jahr lief ein holländisches Handelsschiff Dejima an, dessen Waren dann gelagert, verkauft und getauscht wurden. Viele der Häuser sind heute im Freilichtmuseum Dejima restauriert bzw. rekonstruiert und zu besichtigen. In den Häusern informieren Ausstellungen über das Leben der Handvoll "Holländer", die sich hier ständig aufhielten, darunter der deutsche Arzt Philipp Franz von Sieboldt, der für die Niederländische Ostindien-Kompanie arbeitete.

Dejima

Als sich Japan ab den 1850er-Jahren wieder mehr dem Westen zuwandte, gehörte Nagasaki zu den ersten fünf Hafenstädten, die für Ausländer zugänglich wurden. Die britischen, französischen und amerikanischen Unternehmer siedelten nun lieber auf dem luftigen Hang bei Glover Garden und bauten erstmals wieder eine christliche Kirche.

Die Atombombe

Nicht zuletzt durch die internationalen Kontakte und ausländisches Know-How, das in der Stadt verfügbar war, wurde Nagasaki auch bald zum Standort großer Industriebetriebe und Werften – und zunehmend auch militärisch bedeutend. Im 2. Weltkrieg wurde Nagasaki deshalb nach Hiroshima als mögliches Ziel für einen Atombombenangriff ausgewählt. Eigentlich war das Stadtzentrum um Glover Garden mit dem Hafenbecken das Ziel und nur wegen widrigen Wetters ging die zweite Atombombe am 9. August 1945 über einem Seitental im Norden der Stadt nieder. Dort erinnern heute eine moderne Gedenkstätte, einige erschreckend kümmerliche Überreste zerstörter Gebäude und ein Friedenspark an die Katastrophe. In umittelbarer Entfernung befindet sich das Nagasaki Atomic Bomb Museum.

Oura Catholic Church

Reisetipps für Nagasaki

Nagasakis Innenstadt ist nicht besonders groß, eine niedliche und günstige Straßenbahn verbindet die Hauptsehenswürdigkeiten. Etwa 2 Tage sind für den Besuch auf einer Rundreise zur Besichtigung der Hauptsehenswürdigkeiten ausreichend.

Vom Hafen werden Ausflüge zu einer bizarren verlassenen Stadt auf der Insel Hashima - wegen der Form Gunkanjima, "Kriegsschiffinsel" genannt - angeboten, die u.a. als Modell für eine Insel im James-Bond-Film Skyfall diente.

Leseempfehlung zum Leben auf Dejima: David Mitchell: Die tausend Herbste des Jacob de Zoet.

Mehr zur Geschichte des Christentums in Nagasaki erfährt man auch in "Silence" von Endo Shusaku (verfilmt 2016). Noch heute erinnern zahlreiche Kirchen an die christliche Vergangenheit der Stadt. Twenty-Six Martyrs Museum and Monument im Stadtteil erinnert an die Zeit der Christenverfolgung in Japan und zieht noch heute zahlreiche Christen an.

WESTWARDS

Tipp: Ein typisches Mitbringsel aus Nagasaki ist der Castella - ein süßer Schwammkuchen der hier im 16. Jh. druch die Portugiesen eingeführt wurde. Mehr zum Castella bei Japanliebe.

Jährliche Feste und Events:

Einmal im Jahr, etwa gegen Ende des Monats April, findet in Hafen von Nagasaki das Nagsaki Hansen Matsuri, das Nagasaki Segelschiff Fest. Zahlreiche Segelschiffe aus Japan under der ganzen Welt sind dann hier zu sehen. Zahlreiche Events und Workshops zum Thema werden abgehalten und man kann den Drillparaden der Mannschaften an Deck zuschauen. Das Highlight sind das Feuerwerk und natürlich die beleuchteten Schiffe, die Abends den ganzen Hafen in eine bazubernde Atmosphäre tauchen. Mehr Informationen zum Nagasaki Hansen Matsuri.

Das größte und bekannteste Schrein-Fest von Nagsaki ist das Nagsaki Kunchi. Es finet seit dem 16. Jh. zur Erntezeit statt und wurde nachdem der Suwa-Schrein 1642 gegründet wurde zum Fest des Schreins und wird jedes Jahr vom 7. bis zum 9. Oktober um das Schreingelände abgehalten. Verschiedene Elemente des interkulturellen Lebens das die Stadt geprägt spiegeln sich auch im Festival wieder. Tänze und Events, Umzüge mit beeindruckenden Festwagen, die meist die Form von Schiffen haben bilden die Hauptattraktion des Festes. Mehr Informationen.

Mehr zu traditionellen Feste in Japan

Mehr Informationen zu Nagasaki:

Official Tourism Website for Nagasaki City

Nagasaki Travel Guide - Japan Guide

Endless Discovery Nagasaki

Wo sich Ausländer und Japaner trafen: Historische Insel Dejima

 

Mehr Informationen zur Reiseplanung fnden Sie zum Beispiel auf der Seite Routenvorschläge für ihre Japanreise und in unserer Rubrik in Japan.

Mehr nützliche Tipps und Anregungen für Ihre Japanreise, mit Tipps zu Sehenswürdigkeiten finden Sie in auch in unserem Japan-Blog.