Über japanische Gartenkunst

Gärten haben in Japan eine lange Tradition! Japanreisende, die mehr über die Kunst japanischer Gärten erfahren wollen, finden hier eine kurze Einführung.

Grundtypen japanischer Gärten:

garten neutral iiVereinfacht können Sie drei verschiedene Grundtypen unterscheiden: Die „Tsukiyama“ Gärten bilden die Natur en miniature ab und dies auf kunstvolle und äußerst raffinierte Weise. Auf verschlungenen Pfaden durchlaufen Sie als Besucher immer wieder neue Szenen aus Seen, Hügeln, Bächen oder kleinen Wäldchen. Für westliche Augen im ersten Moment ungewöhnlich und dennoch Inbegriff eines japanischen Gartens sind die „Karesansui“. In diesen Steingärten oder Trockengärten symbolisieren Felsen und weißer, geharkter Kies die Elemente der Natur. Sie sind eng verbunden mit dem Gedanken des Zen und sollen zur Meditation und inneren Ruhe einladen. Die als Teegärten bekannten „Chaniwa“ kamen mit der Entstehung der Teezeremonie ab dem 14.Jh in Mode. Sie sind fester Bestandteil eines Teehauses und bilden entweder den Weg dorthin oder ermöglichen dem Besucher einen besonderen Blickfang während der Zeremonie. Elemente der Gartenbaukunst:

Bevor Sie einige Exemplare der schönsten Gärten Japans kennen lernen, hier ein paar grundsätzliche Elemente der Gartenbaukunst. Dies soll uns europäischen Betrachtern helfen, ein generell besseres Verständnis für diese besondere Kunstform zu entwickeln:

Steine, Kies und Sand:
Seit alten Zeiten haben Steine in der japanischen Kultur eine besondere Bedeutung. Im Shinto werden einzelne große Steine als „Kami“ verehrt, während der Kies dazu diente, um heilige Orte zu markieren. Dies sieht man noch heute bei einigen sehr alten Schreinen, wie dem Ise-Schrein oder Kamigamo-Schrein in Kyoto.

In der heutigen Landschaftsgarten-Gestaltung symbolisieren große Steine Berge und Hügel, setzen dekorative Akzente und sind das Material für Wege und Brücken. Kleiner Felsen und Kies werden verwendet, um Teiche und Bäche zu rahmen. In den Zen- und Trockengärten wird die Komposition mittlerweile komplett aus Steinen gestaltet: Dabei stellen größere Felsen, die gewünschten Berge, Inseln oder Wasserfälle dar. Kies und Sand übernehmen die Rolle der Wasseroberfläche und Wasserwege.

Teiche, Bäche und Wasserfälle:
Teiche sind oftmals das zentrale Element eines Gartens und verkörpern reale oder mythische Seen und Meere. Manchmal sind sie auch Heimat für die „Koi“, die wertvollen japanischen Karpfen, die Farbe und Leben in die Gärten bringen. Kleine Bäche und Wasserfälle verbinden viele der Teiche und bringen neue visuelle Aspekte in den Garten mit ein. In Erholungsgärten können Sie auf größeren Seen auch Boot fahren, in Pavillons auf und an dem Wasser sitzen oder an lauschigen Plätzen am Ufer entspannen. Oftmals waren dies Orte um Gedichte zu rezitieren, oder um an ihnen im September zum „Tsukimi“ den herbstlichen Vollmond zu betrachten.

Inseln und Brücken:

Auch Inseln sind eine alte Tradition in der Gartengestaltung und es gibt sie in allen Größen - von einem kleinen Stein, der aus dem Wasser ragt, bis zu größeren Inseln auf denen Gebäude Platz finden. Meist stellen sie echte Inseln dar, haben religiöse Bedeutung oder eine gewollte Symbolik. So gibt es Darstellungen von Schildkröten oder Kranichen als Zeichen für ein langes Leben oder den „Horai“, einen heiligen, mystischen Berg im Taoismus.

Mit den Brücken werden die Inseln verbunden oder sie überspannen ganze Teiche und Bäche. Als Material wird gerne Stein oder Holz gewählt und auch hier reicht die Bandbreite von einfachen, unbehauenen Steinplatten über einem Bach, bis hin zu kunstvollen Holzkonstruktionen mit über 10m Länge.

Pflanzen:
Sie finden in einem japanischen Garten Bäume, Sträucher, Grasflächen und eine Vielzahl an Pflanzen. Bäume wie Ahorn oder Kirsche werden bewusst wegen ihrer saisonalen Schönheit zur Blüte oder Laubfärbung gepflanzt. Im Kontrast dazu werden Pinie, Bambus oder Pflaumen gerne als Zierde für die Wintermonate - wenn andere Pflanzen ruhen - eingesetzt. Auch Moose sind in der japanischen Gartengestaltung sehr beliebt und so gibt es alleine im Garten des Saihoji Kokedera Tempel in Kyoto über 100 verschiedene Arten.

Alle Pflanzen sind gezielt arrangiert um die Natur wider zu spiegeln und werden höchst aufwendig gehegt und gepflegt. Bäume, Sträucher und Grasflächen werden regelmäßig geschnitten, in Form gebracht und die Moose werden sauber abgekehrt. Im Winter schützen Stroh, Sackleinen und Seile die Bäume und Sträucher vor Schnee und Kälte und Strohmatten dienen als Schutz vor Ungeziefer.

Hügel:
Größere Gärten, insbesondere die weitläufigen Anlagen der Edo-Zeit, benutzen gerne von Menschenhand geschaffene Hügel, um natürliche oder mystische Berge nachzubilden. Auf einige können Sie hochgehen, um einen Panoramablick über die Gartenanlage zu genießen.

Laternen:
Es gibt einen unglaublichen Variantenreichtum an Formen und Größen von Laternen. Sie stellen seit Jahrhunderten ein wichtiges Element in der Gartenbaukunst dar. Meist sind sie aus Stein und werden sorgfältig platziert: Auf Inseln, am Ende von Halbinseln oder nahe bei besonderen Gebäuden einfach um Licht zu spenden oder auch aus ästhetischen Gesichtspunkten. Oftmals finden Sie Laternen in Kombination mit einem Wasserbecken – diese beiden zusammen bilden eine gestalterische Grundlage für die meisten Teegärten.

Wasserbecken:
In vielen Gärten finden Sie steinerne Wasserbecken „Tsukubai“, die für eine rituelle Reinigung, besonders vor der Teezeremonie benutzt werden. Auch hier reicht die Ausführung von einfachen Vertiefungen in unbehauenen Steinen, bis hin zu kunstvollen Steinschnitzarbeiten. Meist finden Sie hier zusätzlich eine Schöpfkelle aus Bambus, die heute oftmals mehr eine Zierde ist als ein Nutzgegenstand.

Wege:
Mit Einführung der Teegärten sowie der Wandelgärten kam Wegen eine neue Bedeutung zu. Gerade in den Landschaftsgärten zum Lustwandeln werden Besucher auf geschwungenen Wegen, die aus Steinen, Kies, Sand oder gestampfter Erde bestehen können, scheinbar ungezwungen zu den immer wieder besten Aussichtspunkten inmitten des Gartens geführt. Wege können auch verschiedene Teile des Gartens optisch voneinander teilen, wie kleine verwunschene Wäldchen oder versteckte Teiche.

Gebäude:
Viele Gärten wurden zu dem Zweck angelegt, um dem Beobachter im Inneren eines Palastes, Hauses oder Tempels einen besonderen Ausblick zu ermöglichen. Natürlich können auch die Gebäude selber Teil des Gartenkonzepts sein, wie Pavillons, Teehäuser oder Gästehäuser.

Geborgte Landschaft:
Das Prinzip des „Shakkei“, der Geborgten Landschaft, bedeutet, dass die natürlichen Landschaften außerhalb eines Gartens mit in deren optische Wirkung einbezogen werden. Dies können natürliche Landschaften wie Berge oder Hügel genauso wie von Menschenhand geschaffene Dinge wie Burgen sein. Heutzutage sind sogar Hochhäuser meist unfreiwillig Part der Geborgten Landschaft in Stadtgärten geworden.