Andenken mit Schutzfunktion von Schrein und Tempel

Rosa leuchten die Büsche vor dem Heian-Schrein in Kyoto, dabei fängt die Kirschblüte doch gerade erst an – doch sind das bei näherem Hinsehen überhaupt Kirschbäume? Nein, an die kahlen Zweige sind unzählige rosa Papierzettelchen geknotet – schlechte Horoskope, die passend zur Kirschblütensaison rosa eingefärbt sind.

Horoskope

Die Horoskope (o-mikuji) sind eines der unzähligen Andenken, die man an japanischen Tempeln und Schreinen erwerben kann. Wenn das Horoskop (das man über eine Losnummer bekommt), nicht so gut ausfällt wie gewünscht, knotet man das Papier auf dem Schreingelände fest, der Schrein-Gott wird sich der Angelegenheit annehmen. Positive Vorhersagen dagegen nimmt man als Glücksbringer mit nach Hause! Und das ist längst nicht die einzige Möglichkeit, die Shinto-Götter zum eigenen Schutz und Vorteil einzuspannen, gegen einen kleinen Obolus natürlich.

(C) WESTWARDS

Weil auch die buddhistischen Tempel Einnahmequellen benötigen, gibt es die ganze Bandbreite an Glücksbringern auch dort.

O-Mamori und andere Talismane

Glück im Geschäft, Prüfungserfolg oder eine problemlose schnelle Geburt? Da hilft ein O-Mamori, ein kleiner flacher Stoffbeutel, oft aus kräftig-farbigem Brokat, manchmal auch mit kleinem Glöckchen versehen. Meistens sind die Beutelchen mit einem kunstvollen Knoten verschlossen, der in ein Band zum Aufhängen übergeht. Geöffnet wird er nicht. Die eingewebten Schriftzeichen im Stoff geben nicht nur an, von welchem Schrein oder Tempel das Amulett stammt, sondern auch, wofür es gut ist. Zu den Standard-Funktionen gehören Sicherheit im Straßenverkehr, Schutz vor Bösem, gute Beziehungen, Erfolg in geschäftlichen Dingen oder im Studium, und eben die leichte Geburt. Wer nichts Spezielles braucht, wählt einfach allgemein Glück oder Erfolg.

Tokyo Nogi shrine omamori (C) WESTWARDS

Etwas spezifischer sind z. B. die nur zu Neujahr erhältlichen dekorativen Talismane fürs Haus (shimekazari) oder in manchen Tempeln kleine Boddhisattwa-Figuren, die man gleich im Tempel aufstellt, um für das Seelenheil (auch vor der Geburt) verstorbener Kinder zu beten.

Wünsch dir was

Wenn's um etwas wirklich Wichtiges geht – die Führerscheinprüfung etwa oder die Aufnahme an die Wunschuni – reicht vielleicht der Standardschutz "Prüfungserfolg" nicht aus. Es sind klarere Anweisungen nötig, die auf ein sogenanntes Ema (絵馬) oder Pferdebild geschrieben werden, denn früher war auf einer Seite ein Pferd abgebildet, der Götterbote, der die Nachricht schnell an die richtige Adresse bringt. Heute sind die Ema je nach Schrein unterschiedlich gestaltet, auf jeden Fall ist aber auf einer Seite Platz für den eigenen Wunsch, oft sehr konkret formuliert. Dazu kommen Datum, Name und Wohnort, und dann hängt man auch dieses Täfelchen am vorgesehenen Ort im Schreingelände auf.

Kyoto Teramachidori Tempel (C) WESTWARDS

Ganz anders beim Daruma, einer kleinen fast kugeligen Figur ohne Arme und Beine und mit großen weißen Augen. In eins der leeren Augen malt man eine Pupille und formuliert dabei einen Herzenswunsch; und wenn der Wunsch in Erfüllung geht, bekommt der Daruma sein zweites Auge. Daruma kann man mitnehmen und sogar auf Vorrat kaufen oder verschenken.

Übrigens: Ausgediente Daruma (und andere Glücksbringer) werden in Japan nicht einfach weggeworfen, sondern am Schrein ritualgerecht entsorgt.

Wandernadel in Brokat

Nicht direkt ein Glücksbringer, aber ein schönes und zugleich spirituelles Andenken ist das Nôkyôchô (納経帳), ein kleines Büchlein, meist in Brokat eingebunden, dessen zunächst leere Seiten bei jedem Besuch eines Tempels oder auch Schreins mit einem roten Stempel und einer Kalligrafie des jeweiligen Heiligtums gefüllt werden. Pro Eintrag kostet das etwa 300 Yen, dafür kann man dem Mönch am Schreibfenster (Nôkyôsho 納経所) beim Schreiben mit Tusche und Pinsel zusehen. Auf einer durchschnittlichen Japanreise kommt da leicht ein Dutzend Einträge zusammen.

WESTWARDS

Mehr nützliche Tipps und Anregungen für Ihre Japanreise finden Sie in unseren Japan-Blog.